

Yu-Chin Ho, Klavier
„Theresienstadt war und ist für mich Schule der Form. Früher, wo man Wucht und Last des stofflichen Lebens nicht fühlte, weil der Komfort, diese Magie der Zivilisation, sie verdrängte, war es leicht, die schöne Form zu schaffen“ Das schrieb der österreichische Komponist Viktor Ullmann (1898-1944) im Konzentrationslager Theresienstadt. Ullmann, der als Jude 1942 nach Theresienstadt deportiert worden war, schuf im Konzentrationslager eine Reihe von Werken, darunter auch seine Klaviersonate Nr. 5, die an diesem Klavierabend auf dem Programm steht.
Während Ullmann 1944 in Auschwitz ermordet wurde, gelang dem in Mannheim geborenen Robert Kahn (1865-1951) noch 1939 die Flucht nach England. Auch er gehört zu jenen Komponisten, deren Werk unter dem Terror des nationalsozialistischen Deutschland entstand. Ebenso wie Arthur Lourié (1892-1966). Der russische Komponist war befreundet u.a. mit Igor Strawinsky und Pablo Picasso. Sein Werk „Formes en L'Air“, das Picasso gewidmet ist, zeigt deutliche Einflüsse des Kubismus. Lourié gilt als einer wichtigsten Vertreter des musikalischen Futurismus.
Neben jenen drei Komponisten aus der „verschollenen Generation“ spielt Yu-Chin Ho zwei Werke von Komponisten, die aus der Musikgeschichte nicht wegzudenken sind. Steht zu Anfang das Intermezzo op. 118/1 von Johannes Brahms, beschließt sie das Konzert mit der berühmten und weit über ihre Zeit hinausweisenden Sonate c-moll Op. 111 von Ludwig van Beethoven.
J. Brahns(1833-1897) : Intermezzo in A-Moll Opus 118-1
Robert Kahn (1865-1951) : aus “ Zwischen Sommer und Herbst” , Opus 67 (1920)
III. Mäßig bewegt, mit Anmut
I.Mäßig schnell, leicht schwebend
II. Langsam und schwermütig
Arthur Lourié(1892-1966) : Formes en L'Air à Pablo Picasso
(Formen in der Luft, P. Picasso gewidmet) (1915)
Viktor Ullmann (1898-1944) : Klaviersonate Nr. 5 opus 45 “ Von meiner Jugend ” (1943)
I.Allegro con brio
II. Andante
III. Toccatina: Vivace
IV. Serenade: Più Allegro
V .Finale fugato: Allegro molto
-Pause-
L. v. Beethoven (1770-1827) : Klaviersonate in C-Moll, opus 111
I. Maestoso – Allegro con brio ed appassionato
II. Arietta: Adagio molto semplice e cantabile
